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Rezension von "17. Jun 53 - Ein deutscher Aufstand" 17. Jun 53 - Ein deutscher Aufstand, Körner, K.:, 3-549-07182-5, 488 Seiten, EUR 25.00 Rezension von Hubertus Knabe: 17. Juni 1953. Ein deutscher Aufstand.
Zum fünfzigsten Male jährte sich der Aufstand des 17. Junis, deshalb ist das Erscheinungsdatum des Buches kein zufälliges. Nun erhebt Hubertus Knabe den Anspruch im allgemeinen Hype dazu beizutragen „die Geschichte des Volksaufstandes freizulegen, aber auch seine Ursachen und die Hintergründe seiner Niederschlagung“. Mit der Dreigliederung Ursachen, Verlauf und Niederschlagung ist auch die Grobaufteilung des Buches beschrieben. Schlüssig und entsprechend des aktuellen Forschungsstandes begründet der Autor seine Entscheidung die Ereignisse um den 17. Juni 1953 als „Volksaufstand“ aufzufassen. Häufiges Einarbeiten von Quellenpassagen in den Text beweisen den authentischen Gehalt der Ausführungen. Dabei hat Knabe den Vorteil auf einen wesentlich größeren Quellenfundus zurückzugreifen, als es früheren Arbeiten möglich war. Sinnvoll erscheint auch der Wechsel zwischen allgemeinen Merkmalen und dem Herausgreifen einzelner Personen, Handlungen etc. um einer umfassenden, allen Gesichtspunkten gerecht werdenden Darstellung näher zu kommen. Die Stärke Knabes liegt in der Wiedergabe der unmittelbaren Vorgänge des Aufstandes, sowohl die chronologische, als auch die geographische Strukturierung erlauben ein leichtes Nachvollziehen des Gelesenen. Hervorragend in ihrer Detailtreue ist dabei die Passage über die Ost-Berliner Ereignisse am 17. Juni. Gelungen auch die Einteilung des Aufstandes in vier Verlaufsstufen: von reinen Arbeitsniederlegungen über Demonstrationen und aufstandsähnliche Aktionen bis hin zu lokalen Machtübernahmen. Eine weitere Stärke liegt in der Schilderung der SED-internen Machtkämpfe, die zwischen Ulbricht auf der einen und Herrnstadt/Zaisser auf der anderen Seite ausgetragen wurden. Ulbrichts politisches Überleben dürfte eine entscheidende Tatsache darstellen, speziell für die staatliche Reaktion auf den niedergeschlagenen Aufstand. Allerdings trüben einige Ungenauigkeiten das Leseerlebnis. Besonders auffällig dabei der unreflektierte Gebrauch von abstrahierenden Modellen wie Kommunismus oder Demokratie. Die Bezeichnung der SED-Regierung als „kommunistische Spielart totalitärer Herrschaft“ verlangt nach einer genauen Definition was Knabe unter Kommunismus versteht. Im Zusammenhang mit dem repressiven Staatskapitalismus der DDR geht der Erkenntniszuwachs der Kategorie „kommunistisch“ nahezu gegen Null. Ähnliches gilt für die Begrenztheit der Totalitarismustheorie, die mehr politisch-polemisch, denn wissenschaftlich, verwandt wird. Den Ausdruck Demokratie gebraucht Knabe zu selbstverständlich. Da gibt es nur „das demokratische System in Westdeutschland“; ein genaueres Arbeiten wäre hier begrüßenswert. Gerade an solchen Stellen fehlt es dem Autor anscheinend an der notwendigen Distanz. In seiner Darstellung vernachlässigt Knabe den Faktor BRD zu stark. Nicht das absurde Agentenkonstrukt der SED-Führung, aber eine eingehende Berücksichtigung der Reaktionen und Verhaltensweisen der BRD und West-Berlins, wäre wichtig für eine umfassende Bewertung. Relativ unvollständig bleibt auch der Abschnitt am Ende des letzten Kapitels; „Der lange Weg zur Konsolidierung“ soll hier dargestellt werden. Doch nach dem Lesen bleiben mehr unbeantwortete Fragen als vorher. Hier bietet Knabes Kapitel nur die erste Etappe des Weges.
Solide gebunden, versehen mit DDR-Karte und einem Stadtplan Ostberlins, sowie zwei längeren Bildteilen ist das äußere Auftreten des Buches hervorragend. Leider sind die Fußnoten nicht seitenpräsent. Eine richtige Analyse der (beiden) gesellschaftlichen Herrschaftsverhältnisse bietet der Autor nicht. Dementsprechend bleibt die Rekonstruktion der unmittelbaren Vorgänge, besonders in Ost-Berlin der gelungenste und erfreulicherweise auch ausführlichste Teil des Werkes. Note: 3
Ulf Otten www.linkesbuch.de |
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