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Rezension von "Flucht vor der Junta" Flucht vor der Junta - Die DDR und der 11. September, Edition Ost, 3-360-01067-1, EUR 14.90 In dem Buch „Flucht vor der Junta – Die DDR und der 11. September“ werden die Ereignisse und Erlebnisse rund um den 11. September 1973 beleuchtet. Zwölf ehemalige offizielle Vertreter der DDR erzählen ihre Geschichten rund um den Sturz Salvadores Allendes mitsamt seiner parlamentarisch-demokratisch gewählten sozialistischen Regierung Chiles. Die Autoren berichten insbesondere über das Engagement der DDR im kurzzeitig sozialistischen Chile. Dieses Engagement bedeutete für viele ChilenInnen das „Tor zur Freiheit“. Die Autoren des Buches gehörten zum Großteil der sogenannten „Restgruppe“ nach der Auflösung der DDR-Botschaft an. Diese sollte eigentlich nur noch die Abwicklung der letzten Geschäfte der DDR nach dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen ausführen. Letztendlich konnten durch die Restgruppe jedoch die Leben vieler Menschen, die sich an dem sozialistischen Aufbau beteiligten oder aus anderen Gründen, wie zum Beispiel als AnhängerIn der Christsozialen Partei zu gelten, verfolgt wurden, gerettet werden. Während in dieser Zeit Menschen „verschwanden“, fanden diese ChilenInnen Zuflucht in der ehemaligen DDR-Botschaft in Santiago de Chile und konnte oftmals außerhalb des Lands in die DDR gebracht werden. Gleichzeitig blieben die Tore der bundesrepublikanischen Botschaft den Verfolgten verschlossen. Die siebzehn Kapitel bieten eine gute geschichtliche Übersicht über die damalige Situation, wie es zum Sturz kam und wie und warum sich gerade die DDR so stark in Chile einsetzte. Für beinahe jedes Kapitel konnte der Herausgeber Gotthold Schramm einen kompetenten Autoren finden. So sind alle Kapitel für sich eine eigene kleine Geschichte geworden, die unabhängig voneinander sind. Sie bilden jedoch zusammen eine umfassende Sicht der damals dramatischen Situation und gehören, trotz ihrer Unabhängigkeit voneinander, wieder zusammen. Die einzelnen Kapitel haben jeweils einen eigenen Schwerpunkt, der sich nach der persönlichen Geschichte des jeweiligen Autors richtet. Dabei werden aber auch einige historisch wichtige Situationen beschrieben. So widmet sich ein ganzes Kapitel der geheimen Ausschleusung Guillermo Altamiranos, dem damaligen Generalsekretär der Sozialistischen Partei, der zu den fünfundneunzig meistgesuchtesten ChilenInnen durch die Militärjunta gehörte. Hier gelang es dem Herausgeber, der ebenfalls Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit / MfS) von 1952 bis 1990 war, einen damals beteiligten Offizier der DDR-Auslandsaufklärung zu gewinnen in dem Buch die aktive Fluchthilfe der „Restgruppe“ zu beschreiben. Durch die persönlichen Erzählungen der damals beteiligten Offiziere vermittelt das Buch jede Menge Detailwissen. So ist es als wichtige Quelle für historische Forschungen zu diesem Komplex zu verstehen. Ergänzt werden die Kapitel der Autoren, die eindeutig aus Sicht des durchweg als positiv beschriebenen ehemaligen real-sozialistischen Deutschlands geschrieben wurden, mit in die deutsche Sprache übersetzten Reden Salvadores Allendes rund um die Vorbereitungen zum reaktionären Putsch. Dazu befinden sich im Anhang wichtige Dokumente der Zeitgeschichte, wie bspw. die damalige Fahndungsliste der 95 meistgesuchtesten Personen Chiles. Hier durfte auch ein kurzer Hinweis auf den heutigen Umgang der BRD, mit dieser positiv einzuschätzenden Episode der DDR-Außenpolitik, nicht fehlen.
Jan Rohlfs linkesbuch.de |
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