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Rezension von "Late Night Solo" Late Night Solo - Die Methode Harald Schmidt, Kay Sokolowsky, 2003, 3-89458-226-X, 144 Seiten, EUR 12.90 Der Autor und bekennende Harald-Schmidt-Fan Kay Sokolowsky analysiert in seinem Buch „Late Night Solo“ die Methoden der bei der Veröffentlichung des Buches noch nicht abgesetzten „Harald Schmidt Show“. Dabei ist Harald Schmidt für ihn der herausragende Satiriker, mit dem sich momentan kein anderer Künstler vergleichen lässt. Sobald er andere TV-Sendungen und Künstler in seinem Buch anführt, geht er davon aus, dass diese nichts anderes als Trash sein können und sind: Billige Witze, billige Bühne, billige Vermarktung. Als Differenz zwischen diesen und der „Harald Schmidt Show“ stellt er heraus, dass in diesen jeder Witz durch den nächsten getoppt werden muss, damit der Zuschauer auch nach der Werbung weitersieht. Bei Harald Schmidt soll dies seiner Meinung nach anders sein. So stellt Sokolowsky fest, dass der Entertainer Schmidt eigentlich weder Kamera noch das TV-Publikum mag und eigentlich lieber auf einer Theaterbühne stehen möchte. Dazu wünsche er sich noch das perfekte, intelligente Publikum, welches Schmidt in der Person Andracks gefunden hatte. Laut Sokolowsky müssten andere Formate darauf schielen, immer höhere Einschaltquoten und damit höhere Werbeeinnahmen zu erhalten, während sich Sat.1 bei dieser Prestige-Sendung lediglich mit einer Quote, die mindestens die Kosten der Sendung deckte, begnügte. Er stellt außerdem fest, dass die ständig neuen Awards und das damit gewonnene Ansehen (ideeller) Gewinn genug seien. Weiter versucht er zu analysieren, dass der typische Harald-Schmidt-Show Zuschauer verliebt in die Sendung sei und nicht einfach weiter zappt, sobald ihn eine Szene langweilt. Er verweilt angeblich, weil der Entertainer eine Ausstrahlung habe, die normalerweise nur Demagogen haben - oder eben Genies. So ist es nicht verwunderlich, dass Kay Sokolowsky sein Buch mit einer Lobeshymne auf Harald Schmidt beginnen lässt: Dieser wüsste gar nicht, dass er noch besser sei, als er denke. Deshalb muss diese Lobeshymne - laut dem Autoren - unbedingt mal sein. In den meisten Kapiteln versucht er nun diese Lobeshymne auf die Methode Harald Schmidt anhand nacherzählter Studiosituationen zu belegen. Dazu gibt der Autor jeweils Kommentare zu dieser seiner Sichtweise, warum und wie Harald Schmidt die Situation bewältigt. Leicht erzeugt dies bei dem Leser/ der Leserin das Gefühl, dass Sokolowsky sich in angeblich bedeutungsschwangere kleinste Handbewegungen versteigt und in diese großartige gewollte Aktionen hinein interpretiert. Im letzten Kapitel versucht Sokolowsky die These zu belegen, dass die Neue Frankfurter Schule, gewollt oder ungewollt, ein Vorläufer und Ideengeber der Harald Schmidt-Show sei. Während die Neue Frankfurter Schule mittlerweile wirkungslos geworden ist und ihre VertreterInnen von der Bühne getreten sind, ist Harald Schmidt so präsent wie nie. Seine abschließende These ist, dass der unmoralische Schmidt zu einer moralischen Größe erwachsen ist und er die richtende Instanz geworden ist, ohne dies jemals verlangt zu haben. Das Buch ist insgesamt schnell und leicht zu lesen. Oft hat man das Gefühl, dass es dem Autor durch seine unbedingte Anhimmelung des Entertainers an Abstand mangelt, was das gesamte Buch eher zu einer Lobeshymne als zu einer kritischen Abhandlung des TV-Formats macht.
Jan Rohlfs Linkesbuch.de |
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