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| Artikelnummer: DLF205798 | |

| Das obskure Subjekt der Begierde | |
| Frantz Fanon und die Fallstricke des Subjekts der Befreiung | |
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| Preis: | 16.00 Euro inkl. 7% MwSt, zzgl. Versand |
| AutorInnen: | Udo Wolter |
| Verlag: | Unrast Verlag |
| ISBN-10: | 3-897710-05-6 |
| ISBN-13: | 978-3-897710-05-4 |
| Seitenanzahl: | 240 |
| Zustand: | neu |
| Art: | Buch, broschiert |
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»Neue Fragen an den Klassiker der antikolonialen Revolutionstheorie aus subjektkritischer Perspektive.« konkret
"Udo Wolter trifft die Grundbegriffe der Fanonschen Theoriebildung. Das Buch wird für das Fanon-Verständnis ... und für die Forschung fortan unverzichtbar sein."
Oskar Lubin, GWR 264
Frantz Fanon, der am 6. Dezember 2001 vierzig Jahre tot sein wird, hat bis zu seinem frühen Tod an Leukämie in nur einem knappen Jahrzehnt intensiven Schaffens ein bis heute umstrittenes Werk hinterlassen. Durch seine Biographie wie durch seine Schriften wurde er zu einem Symbol des revolutionären Kampfes der "Verdammten dieser Erde" gegen koloniale und imperialistische Unterdrückung schlechthin. Die durch den zitierten Titel seines Hauptwerkes sprichwörtlich gewordene Bedeutung Fanons für den revoltutionären Befreiungskampf der "Dritten Welt" führte nicht nur in der deutschen Linken vor allem nach '68 zu einer ikonenhaften und selektiv auf die Legitimation des bewaffneten Kampfes gerichteten Fanon-Rezeption. Mit dem Niedergang der nationalen Befreiungsbewegungen und des klassischen Antiimperialismus schien dann seine Theorie in der Linken, in Deutschland jedenfalls ausserhalb antiimperialistischer Rest-Zusammenhänge, seit Ende der 80er Jahre etwas in Vergessenheit zu geraten.
Das sollte sich allerdings im Laufe der 90er Jahre mit dem Aufkommen der "Postcolonial Critique" als linker Theorieströmung an den anglo-amerikanischen Universitäten wieder ändern. Deren zunehmende Rezeption durch Teile der deutschen Linken führte auch hierzulande in den letzten Jahren zu einem beträchtlichen Fanon-Revival. So finden sich heute regelmäßig Fanon-Zitate in Texten von Linken, die sich an Poststrukturalismus und Praktiken kultureller Subversion orientieren und mit dem alten linksradikalen Antiimperialismus höchstens eine ausgeprägte gegenseitige Abneigung teilen. In Anlehnung an einen Aufsatz von Stewart Hall läßt sich daher die Frage formulieren, von der eine Untersuchung wie die hier vorgestellte auszugehen hat: warum ausgerechnet Fanon, und warum gerade heute? Die Diskussion der Bedeutung Fanons in diesem Buch bezieht sich daher wesentlich auf die seit Beginn der 90er Jahre des gerade zuende gegangenen Jahrhunderts intensiv und kontrovers geführte Debatte um Fanon in der "postcolonial Critique".
Angesichts des Fanon-Booms in den "postkolonial Studies" stellt sich präziser formuliert die Frage, wieso eigentlich ein Theoretiker, der gemeinhin als Klassiker der antikolonialen Revolutionstheorie der 60er Jahre gilt, heute auch und gerade von denjenigen in Anspruch genommen wird, welche die bipolaren Entgegensetzungen Kolonialherr/Kolonisierter, Westen/Rest, Zivilisation/Wildheit, männlich/weiblich etc., ebenso wie die repressiven Festschreibungen ethnischer und nationaler Identitäten dekonstruktivistisch auflösen wollen in eine fließende, "hybride" Subjektivität als Grundlage neuer kultureller und politischer Formen widerständigen Handelns. Und nicht nur von diesen, sondern auch von ihren eher marxistisch argumentierenden KritikerInnen. Da letztere zumeist auch auf die eine oder andere Weise stärker an einem Projekt nationaler Befreiung entsprechenden Marxismus-Versionen festhalten, betrifft die Auseinandersetzung mit der vornehmlich anglo-amerikanischen Postkolonialismus-Debatte indirekt auch die traditionelle Fanon-Exegese deutscher AntiimperialistInnen. Wie konnte Fanon also zu einem Begründer des Antikolonialismus und eines anti-begründungslogischen (anti-foundationalist) Postkolonialismus zugleich werden?
Wenn die Rede auf Fanon kommt, scheint oft sein Leben und seine Person schon die halbe Erklärung für seine Wirkung zu sein: Gemäß den Vorlieben der heutigen postkolonialen Fanon-Interpreten wird dann gelegentlich auch auf seinen gründlich gemischten, sprich "hybriden" Familienhintergrund aus Nachkommen in die Karibik verschleppter Sklaven ebenso wie indischen und europäischen Vorfahren verwiesen. So fragwürdig es scheint, Fanons Theorie aus einer 'gemischtrassigen' Herkunft erklären zu wollen, so sehr siedelt ihn doch seine Biographie